» Musikalischer Jahresrückblick 2013

December 21, 2013 | german opinion | Adrian Kummerländer

Wer mir auf Twitter folgt hat eventuell am Rande mitbekommen, dass ich dieses Jahr öfter als bisher Konzerte und Festivals besucht habe. In diesem Artikel möchte ich nun zum Ende des Jahres hin einige dieser Veranstaltungen Revue passieren lassen und somit auch einmal über ein anderes, nicht IT bezogenes, Thema berichten.

Angefangen hat das Jahr 2013 aus musikalischer Sicht für mich mit Retrospect am 23. März in Eindhoven in den Niederlanden. Dabei handelte es sich um das anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums stattfindende Konzert der von mir favorisierten Gruppe Epica. Epica ist im Genre des Symphonic Metal angesiedelt, ihre Musik verbindet also klassische bzw. sinfonische Elemente mit Metal, was sehr gut funktioniert. Ein besonderer Aspekt des Retrospect Konzertes, der mich überhaupt dazu gebracht hat für ein einziges Konzert übers Wochenende in die Niederlande zu fahren, war dabei, dass die orchestralen Teile der Musik nicht, wie bei normalen Konzerten üblich, über Sampler beigespielt wurden, sondern live von einem - in diesem Fall aus Ungarn stammenden Orchester mit Chor - gespielt wurden. Die Chance Epica's Musik in dieser Form zu genießen gab es bisher nur im Jahr 2008 in Ungarn beim Classical Conspiracy Konzert, welches auch unter diesem Namen als Album veröffentlicht wurde. Somit war für mich ab dem Moment, in dem ich von den Plänen des Jubiläumskonzerts erfuhr, klar, dass ich mir diese Chance nicht entgehen lassen konnte. Und ich wurde nicht enttäuscht, das drei Stunden andauernde Konzert war fantastisch und bewegt sich für mich außerhalb jeder Skala, die man errichten könnte. Im Folgenden werde ich deshalb einfach einen Ausschnitt des, auch auf DVD aufgenommenen, Konzertes für sich sprechen lassen:

Epica Retrospect Unleashed

Neben Epica-eigenen Liedern, wie dem obigen Titel Unleashed des 2009 erschienenen Albums Design Your Universe, spielte das Ensemble auch Cover von klassischen Stücken wie Stabat Mater Dolorosa im Duett mit der aktuellen Nightwish-Sängerin Floor Jansen, den Imperial March des Starwars-Soundtracks sowie ein Medley der orchestralen Fassungen einiger Epica-Lieder. Das Orchester und der Chor waren also optimal eingebunden und verhalfen diesem Konzert dazu, zu einem wirklich einmaligen Erlebnis zu werden. Das ist auch mein einziger Wehmutstropfen - es wird einige Zeit vergehen bis ich Epica wieder in dieser Form live erleben kann.

Weiter ging das Jahr mit der für mich überraschenden Ankündigung, dass Iron Maiden im Rahmen ihrer diesjährigen Europa-Turnee in Aach, einem Dorf in der Nähe von Singen, spielen würden. Nachdem bekannt wurde, dass eine der Vorbands die aus Schweden stammende Power Metal Band Sabaton sein würde, war der Fall klar und das Ticket gekauft. Während Iron Maiden einwandfrei spielte und Sabaton als Vorband begeisterte, war das einzige Problem neben den horrenden Getränkepreisen das Publikum, welches zeitweise in großen Teilen den Eindruck machte, fehl am Platz zu sein. So gab es auch in den ersten Reihen - in welchen ich mich glücklicherweise befand - vereinzelt Leute, die meinten ganz vorne stehen zu können ohne in irgendeiner Form von hüpfenden und moschenden Leuten belästigt zu werden. Der Abend an sich war aber trotzdem toll und ich hoffe, dass auch im nächsten Jahr wieder ein Metal-Konzert in Aach stattfinden wird.

Im Sommer dann besuchte ich, auf Einladung meiner Eltern, das im Rahmen des Tuttlinger Hornberg-Fests stattfindende Konzert von Manfred Manns Earth Band. Ich war von der um den aus Südafrika stammenden Keyboarder Manfred Mann gebildeten Gruppe, trotz des Kontrastes zu den von mir sonst gehörten Genres, positiv überrascht. Besonders gefallen hat mir dabei Lieder wie For You live zu hören. Mir war im Vorfeld des Konzertes gar nicht klar gewesen, wie bekannt diese Gruppe in den mir vorangehenden Generationen ist und wie oft man mit ihrer Musik im Radio konfrontiert wird.

Nach diesem Konzert reiste ich zum zweiten Mal zur jährlichen Iteration des Wacken-Festivals, an dem ich auch im nächsten Jahr wieder sein werde. Im Gegensatz zu 2012 fuhr ich dieses Mal ab Stuttgart mit dem Sonderzug Metal Train nach Wacken, was ich uneingeschränkt empfehlen kann. Die Stimmung, die auf dieser Fahrt im Tanzwagen zu aufgelegten Metal-Klassikern entstanden ist, findet man selbst auf Konzerten nur selten. Das Festival selbst war wie gewohnt bestens organisiert, einige der von diversen Seiten geäußerten Kritikpunkte kann ich dabei auch nicht wirklich nachvollziehen. Werbung war nicht übermäßig und wenn dann hauptsächlich auf die Musik bezogen vorhanden, Essensstände die einem aus irgendwelchen Gründen unsympathisch sind muss man nicht besuchen und am Ende stellt sich auch die Frage, ob man für die Musik dort ist oder für etwas anderes. Bezüglich der Musik kann ich weder bezogen auf die Band Auswahl noch auf den Klang, den ich noch bei keiner anderen Open-Air Veranstaltung so gut erlebt habe, Kritik üben. Die diesjährige Band-Aufstellung des Festivals war aus meiner Sicht sehr gut, besonders zugesagt haben mir in zufälliger Reihenfolge Nightwish, Powerwolf, Sabaton, Trivium, das Lingua Mortis Orchestra und Alestorm. Als Ausschnitt hier Nightwish's Ghost Love Score:

Nightwish Showtime, Storytime Ghost Love Score

Neben Metal-Konzerten besuche ich auch gerne Konzerte der in meiner Gegend angesiedelten sinfonischen Blasorchester. Besonders hervorheben möchte ich dieses Jahr das in Kooperation mit einer eigens gegründeten Rock-Band durchgeführte Konzert der Stadtmusik Stockach. Bei diesem im Oktober stattgefundenen mit Symphonic meets Rock betitelten Konzert spielte die Stadtmusik meines Heimatortes u.a. das Concerto for Group and Orchestra von Jon Lord.

Letzte Woche besuchte ich als zweites Festival dieses Jahr das eintägige KnockOut in Karlsruhe. Dieses, anscheinend sogar größtes Hallenfestival Deutschlands, war gut organisiert und auch die Bandaufstellung bestehend aus Sabaton, Doro, Saltatio Mortis, Lordi, Pink Cream 69, sowie Kissin' Dynamite hat mich überzeugt. Insbesondere hervorheben möchte ich Lordi und Sabaton, dies aber auch nur des Musikstils wegen. Dazu lässt sich sagen, dass aus Sicht der Setlist das Konzert im Rahmen des KnockOut das beste, der insgesamt drei Sabaton-Konzerte, die ich dieses Jahr besucht habe, war.

Während ich diesen Artikel schreibe sitze ich übrigens gerade in Balingen und warte auf das für mich leider schon letzte Konzert dieses Jahres namens Christmas Metal Symphony. Nächstes Jahr geht es dann spätestens im April weiter mit dem Masters of Symphonic Metal Festival in Pratteln in der Schweiz.

Denjenigen, die nach den beiden oben verlinkten Videos Lust auf Symphonic Metal bekommen haben, empfehle ich zum Schluss noch einen Blick in das Symphonic Metal Subreddit.